Leb die Sekunde


Fabienne Mischler

Früher

Am 05.01.1993 erblickte ich das Licht der Welt und wuchs mit meinem kleinen Bruder und meiner Mutter in Luzern, Schweiz, auf.

 

Mit 3 Jahren stand ich das erste Mal auf Skien und begeisterte mich schon als Kleinkind für den Schneesport. Als 6-jährige fuhr ich meine ersten Skirennen. Dabei hatte ich viel Spass und war erfolgreich. Deshalb wollte ich um jeden Preis Skirennfahrerin werden. Ich liebte die Herausforderung und das Adrenalin bei den Rennen.


In dieser Zeit verlor ich in der Schule etwas den Kontakt zu den Mitschülerinnen und wurde gemobbt. Ich hatte wenig Freunde und fühlte mich zunehmend einsam. Die Schulnoten wurden auch immer schlechter. Der Entscheid meiner Eltern, mich in die Tagesschule für Mädchen "Rhaetia" in Luzern zu versetzten, war gleichzeitig die Chance, wieder Freundinnen zu finden. Damit ich für diese an den Wochenenden Zeit hatte, hörte ich mit dem Skirennsport auf. Ich lernte neue Freunde kennen, welche mich bis heute begleiten.

 

In den darauffolgenden 10 Jahren (12 - 20 Jahre alt) habe ich mich kaum noch bewegt. Ich war faul und hatte immer eine Ausrede, wenn es darum ging mich zu bewegen. Ich wurde immer dicker, bis ich 2013 mein Höchstgewicht von 90 Kilo erreichte. Zusätzlich wurde ich immer verschlossener, antriebsloser und zu guter Letzt auch depressiv. Ich versuchte in diesen 10 Jahren unzählige Diäten aus und fühlte mich danach jeweils noch schlechter. Meist lösten diese anschliessend Fressattacken aus und der Jo-Jo-Effekt war vorprogrammiert. Ich fühlte mich schlecht, ich war müde hatte mit Sekundenschlaf zu kämpfen und merkte immer mehr, dass ich nicht mehr die Fabienne bin, die ich einmal war. Nach der Untersuchung im Schlaflabor erhielt ich die Diagnose "Narkolepsie". Die Diagnose schockte  mich, doch sie wurde mit der Zeit auch immer mehr zu meiner Ausrede. Ich erhielt dadurch die Möglichkeit, faul sein zu dürfen. Mehr als ein Jahr nahm ich Tabletten, um am Tag wach zu bleiben. Bis zu jenem Tag, der mein Leben veränderte.

Mein Weg

Ein Mentaltrainer kam auf mich zu und meinte: „Fabienne, was ist wenn, du schlank bist? Wenn du gesund bist? Wenn du alles erreichen kannst, was du dir für dein Leben vorstellst? Würdest du dann weiterhin Zuhause faul herumliegen?“

 

Meine Antwort war ein klares NEIN. Eigentlich wollte ich die Welt erkunden, Dinge erleben und mein Leben aktiv gestalten. Mir wurde bewusst, dass ich etwas ändern muss, und ich entschied mich dafür meinen Traum zu leben und alles dafür zu tun.

 

Der erste Punkt musste also aus der Welt geschafft werden und zwar die Ausrede. Also sagte ich mir, ich bin gesund.


Ich habe keine Nakolepsie und ich setzte die Medikamente nach und nach ab, bis ich sie gar nicht mehr brauchte. Gleichzeitig begann ich mit langen Spaziergängen, bis zu 3 Mal pro Woche. Einmal pro Woche traf ich den Mental-/Personaltrainer, welcher mir immer wieder neue Übungen zeigte und beibrachte. Ohne das die Ärzte von der Absetzung der Tabletten wussten, meldete ich mich zu einer Nachuntersuchung im Schlaflabor an. Die Diagnose ergab, dass ich keine Narkolepsie habe.

 

Somit war ich eigentlich die ganze Zeit gesund, Ich war nun mal einfach zu dick, zu faul, meist vollgegessen und

daher auch zu müde. Im November 2013 habe ich mit Sport begonnen. Über Monate hinweg beschäftigte ich mich auch immer mehr mit meiner Ernährung und stellte mein Leben step-by-step langsam um. Mein Gewicht verringerte sich und diese ersten Erfolge machten mir Freude und ich bekam Spass daran. Es erfüllte mich mehr und mehr mit einer inneren Zufriedenheit, ich wurde glücklicher und mein Lachen war wieder echt.

 

Heute

Wie sehr ich mich verändert habe, fällt mir manchmal erst wieder auf, wenn ich Bilder von früher sehe oder alte Bekannte an mir einfach so vorbei laufen, als ob Sie mich noch nie gesehen hätten. Ich habe auf meinem Weg einiges mitgenommen: Einerseits lernte ich unglaublich viel über den menschlichen Körper, über die Bewegung sowie auch über die Ernährung. Ich lernte aber auch was es heisst, diszipliniert und willensstark zu sein. Ich bin heute wieder die sportliche Fabienne, die ich als 6 bis 12-jährige schon einmal war. Ich liebe Her-ausforderungen und verfolge Zielbewusst meinen Weg. Ja, ich habe mein Selbstbewusstsein wieder gefunden.

 

Mein Weg „Lebe deinen Traum“ erzähle ich regelmässig auf Facebook, Instagram, Youtube und in meinem Blog. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich es bis hierhin geschafft habe und ich weiss heute, dass ich diese Lebensfreude, Energie und Disziplin auch anderen Menschen weitergeben kann. Das heisst, es ist mein Wunsch, möglichst vielen Übergewichtigen zu helfen, damit auch sie wieder glücklich werden und ihr Ziel erreichen.

 

Denn jeder kann es schaffen – wenn er es wirklich will!